Sar-Meda im Februar 2008,
9 Monate alt

Der Umzug:
Leben ohne Herde

Der Übergang vom angehenden Herdenschutz- zum Familienhund war für Sar-Meda fließend. Sie war nun 7 Monate alt und schon seit Wochen habe ich sie oft "zu Besuch" auf mein Grundstück in Groß Ammensleben mitgenommen. Für den Aufenthalt im Freien gab es von nun an einen sicher eingezäunten Hundegarten für sie, und als Rückzugsgebiet ein massives Hundehaus. Auch als "Familienmitglied" sollte Sar-Meda, wie bisher meine Sarplaninci mit Herde, viel Zeit im Freien verbringen, denn mit ihrem wetterunempfindlichen Fell mit wärme- bzw. kältedämmender Unterwolle sind diese Hunde bestens für den Außenaufenthalt ausgerüstet, und es stärkt das Immunsystem. Nachts kam Sar-Meda mit ins Haus, es gab ja nun keine Rinder, Schafe und Pferde mehr vor vier- oder zweibeinigen Räubern zu beschützen. Andere, nützliche "Eindringlinge", wie der Igel, waren jedoch erwünscht, und konnten weiterhin ihre Route über den Hof und durch den Garten benutzen.

Mit 8 Monaten lernte sie den ersten Schnee kennen. Wie alle meine bisherigen Hunde, freute sie sich auch über die weiße Pracht, in der man so herrlich toben kann.

Der erste Schnee, Januar 2008 im Hundegarten,
8 Monate alt

Neben dem Freilauf auf dem eingezäunten Grundstück gab es nun auch Spaziergänge mit Leine. Das war für mich eine neue Erfahrung, da meine bisherigen Sarplaninci während der gemeinsamen Weiderundgänge und Herdenkontrollen in der Landwirtschaft nie angeleint waren. Zeitweiliges Anleinen für den Tierarztbesuch war in der Regel unproblematisch, da in diesen speziellen Situationen meine Hunde die Ruhe bewahrten.

Halsband und Leine waren für Sar-Meda nichts Unbekanntes: eigentlich habe ich sie schon "leinenführig" von der Züchterin bekommen. Nun musste am "laaangsam" (nicht ziehen) und "Nein!" (u. a. nicht hochspringen) gearbeitet werden. Für jede Situation setzte ich nun die entsprechende Leine ein: ein "Alltagshalsband" mit Leine, ein gepolstertes Brustgeschirr, um schonend Korrekturen in Richtung und Geschwindigkeit durchführen zu können, eine 10 m Schleppleine fürs Gelände, und falls wir mal mit anderen Hunden an Flexi-Leinen unterwegs waren, hatten wir auch diese in 8 m Länge parat.

Das Brustgeschirr, Februar 2008
9 Monate alt

Die Änderung meiner Lebensumstände brachte auch freie Wochenenden und Urlaub mit sich. So konnte ich endlich die Einladungen anderer Hundefreunde annehmen, was mir sonst aufgrund meiner "Verpflichtungen" in der Landwirtschaft kaum gelang. Bemerkenswert ist, wie sich Sar-Meda bei Besuchen auf anderen Bauernhöfen mit Tierhaltung verhielt, als wäre sie "zu Hause". Freundlich und interessiert ging sie auf die vorhandenen Tiere zu. Sie kannte ja andere Tiere aus von "zu Hause" und aus unserer Landwirtschaft.

Kuvasz-Freundin Gina und Sar-Meda im März 2008,
11 Monate alt

Mit einem Alter von ca. 11 Monaten wurde Sar-Meda Mitte März 2008 das erste Mal läufig. Sie wurde sehr unruhig und leckte sich sehr oft. Während ihres Außenaufenthaltes hatten wir keinerlei Probleme mit den Nachbarrüden. Aber ich hatte eine neue Aufgabe, nämlich: wie kann ich meine Hündin auch weiterhin nachts mit ins Haus nehmen, ohne dass der Teppichbodenbelag ein neues "Muster" bekommt? Ein Höschen wollte ich ihr nicht anziehen, da sie ihrem Instinkt, dem Lecken und Säubern, ja nachkommen sollte. Nicht schön, aber sehr praktisch waren während dieser Zeit meine Bettlakendekorationen im Schlafbereich.

Ende Mai, Anfang Juni 2008 gab es eine frühsommerliche Hitzeperiode. Sie hielt sich während dieser Zeit am liebsten in ihrem schattigen Hundegarten auf und grub sich eine kühle Grube im Schatten einiger Büsche. Genau 2 Monate nach ihrer Läufigkeit, sie war nun über 1 Jahr alt, bekam Sar-Meda Muttergefühle zu ihrem kleinen Lieblingsball. Ungefähr eine Woche lang "bemutterte" sie ihren Ball und rollte ihn fast schon zärtlich winselnd vor sich her und nahm ihn mit in ihre Grube. Wir sagten dann aus Spaß: "Meda brütet!". Das Interesse an dem "Ballwelpen" nahm dann aber rasch ab, und sie war wieder "normal".

Mit dem" Ballwelpen" in der Grube, Juni 2008
14 Monate alt

Im Juli, mit 15 Monaten, begann Sar-Meda ihr erstes Winterfell in ein Sommerfell zu wechseln. Innerhalb von 3 Wochen war die meiste Unterwolle entfernt, und in den folgenden 8 Wochen folgten auch nach und nach die Deckhaare. Die ausgekämmten Fellbüschel werden gern von einer Arbeitskollegin zur Marderabwehr benutzt. Zum Beispiel in einen Strumpf gestopft und an geeigneter Stelle im Motorraum befestigt, kann die Wolle an Autos dem gefährlichen Kabelverbiss vorbeugen.

Dass es sich bei aller Familientauglichkeit um einen im Ernstfall verteidigungsbereiten Hirtenhund handelt, wurde bei einem Erlebnis im Magdeburger Zoo sehr deutlich. Hier sind Hunde als Besucher erlaubt, daher besuchten wir im Sommer die Tiere dort. Die Tiere und Sar-Meda beobachteten sich interessiert. Auch "Artgenossen" wie die Rothunde und ein Rudel Huskys, welches dort auch Vorführungen zeigt, zeigten beiderseitiges Interesse. Bis auf die Löwen, die nur durch eine Glasscheibe getrennt, sofort zum vierbeinigen Besucher stürzten. Dieses Angriffsverhalten löste bei Sar-Meda den Beschützerinstinkt eines Hirtenhundes aus, und sie stellte sich mutig und lautstark den Löwinnen gegenüber. Selbstverständlich gehört es zu den Verhaltensregeln eines Zoobesuchers mit Hund, solche Situationen schnellstmöglich zu beenden, und sich von diesem Gehege zu entfernen. Von nun an trug sie den Namen "Meda Löwenherz" ...

Zoobesuch im Juli 2008
15 Monate alt

Die nächste "Etappe" war dann im August 2008 geschafft: das HD-Röntgen. Dieses ist laut Reglement des Klubs für Ausländische Hirtenhunde Schweiz ab einem Alter von 15 Monaten möglich. Dafür wurde bei der Tierarztpraxis ein Termin vereinbart, und voller Aufregung fuhr ich mit Sar-Meda und unserer Freundin Carolin zu diesem Termin. Bei meinen vorherigen Sarplaninci hatte mein Rüde Ivo HD-A, also HD-frei, und meine Hündin Riva HD-E, den schlechtesten Befund überhaupt. Zwar traf die Vorhersage des damaligen Röntgentierarztes nicht ein, dass Riva nur 2 Jahre alt werden würde, aber es war immer die Angst da, dass ich einmal vor der Entscheidung OP oder Einschläfern stehen würde. Mit Riva erlebte ich dann knapp 10 wunderbare gemeinsame Jahre.

Das Röntgen von Sar-Meda war völlig unproblematisch: sie fiel sehr schnell in die Narkose und nach dem Röntgen war sie innerhalb einer halben Stunde wieder wach. Nach ca. einer Stunde hatten wir wieder die "alte" temperamentvolle Sar-Meda. Die Röntgenbilder sahen nach Ansicht der Tierärztin sehr gut aus, und so wartete ich auf die Beurteilung der HD-Auswertungsstelle. Diese kam nach ungefähr drei Wochen und lautete: HD-A!

IZH Hannover 2008 als Zuschauer, 02.11.2008,
18 Monate alt

Am 02.11.2008 haben wir als Zuschauer die IZH in Hanover besucht. Zum einen interessieren mich Kontakte zu anderen Sarplaninac-Haltern, und zum anderen wollte ich Sar-Medas Verhalten auf so einer Veranstaltung testen. Zuerst war sie etwas unsicher, wegen der vielen neuen Eindrücke. Dann aber, als wir einen Platz bei der einzigen Sarplaninac-Hündin der Ausstellung gefunden hatten, benahm sie sich sehr souverän und ruhig. Sobald Besucher stehen blieben und sich näher mit ihr beschäftigten, ließ sie sich gern streicheln, was ihr die Sympathien der Besucherkinder einbrachte. Als vertrauensbildende Erfahrung zwischen uns war dieser Ausstellungsbesuch sehr wertvoll, obwohl aufgrund des zeitweise extrem lauten Geräuschpegels eine verbale Kommunikation mit ihr schwierig war.

"Wo ich bin, ist vorn!", mit Leoni (4 J.) im Oktober 2008,
18 Monate alt

Sar-Meda ist nun 1 ½ Jahre alt und hat sich nach 1 Jahr Leben ohne Rinder- und Schafherde gut in unser "Rudel" mit Menschen, Hühnern und Katze integriert. Sie ist eine freundliche Sarplaninac-Hündin, die aber auch bei "Anmache" entsprechend reagiert, "wie man in den Wald hineinruft ". Die Prognose ihrer Züchterin, dass mein Mobiliar in einigen Monaten umgeformt sein würde, ist nicht eingetroffen - wir haben nämlich klar abgegrenzt, was "mein" und was "dein" ist, und zur Not gibt es eben interessante Tauschgeschäfte!

(07.02.2009)

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© Dorette Knobbe
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